In dieser neuen Rubrik "Gastbeiträge" kann jede(r), die/der möchte, Artikel veröffentlichen, die er/sie selber verfasst hat. Also liebe Autoren her damit.

Schickt mir die Beiträge bitte per Mail (lobo.hb@t-online.de), mit dem Hinweis und der Bestätigung, dass ihr der/die Autor(in)

seid.

Und nun lasst die Tasten glühen. Viel Spaß beim Schreiben.

 

Den Anfang macht Lars mit seinem Artikel:  

 

Der lange Marsch….. zur deutschen Zulassung!
Also es ist ja so, entweder man mag Gespanne oder man mag sie nicht. Und wenn ersteres der Fall ist, dann bezwingt man auch schon mal Hürden, bei denen jeder normal denkende Mensch dankend ablehnt.
Die Chang Jiang 750 ist mittlerweile mein viertes Gespann Projekt, welches ich angegangen bin.
Nach einer Dnepr Inlandsmodell (Horror!), Ural 650 Exportmodell und einem BMW R1100R- Gespann (Sidecar Traveler April 2014 berichtete) steht hier nun meine Chinesin mit deutscher Zulassung vor mir!

Mal abgesehen von den Zulassungshürden, ist die Frage, wie man von einer soliden R1100R (meine war es zumindest!) zurück zu den Anfängen der Zweiradtechnik verfällt?
Ganz einfach, wer auf Oldschool steht, kann fast nicht günstiger Oldtimer fahren.
Nachdem die BMW im letzten November verkauft war, bin ich täglich auf Gespannschau in den einschlägigen Auktions- und Verkaufsportalen unterwegs gewesen. Es war alles vertreten. Ich hatte mich nicht auf eine Marke festgelegt- es sollte aber etwas Altes und von der Grundsubstanz solides sein. Boxer und Kardan fand ich aber schon immer klasse.
Um die Weihnachtszeit 2013 bin ich dann auf die niederländische Firma Motorwerk im Grenznahen Venlo gekommen. Ich kannte Marjoleen und Bart Sanders schon vom EGT und wusste, dass sie die Chang Jiang, Enfield und Jialing Maschinen vertreiben.
Ich habe sie einfach mal angeschrieben und gebeten, mir mal ein paar Informationen zukommen zu lassen. Das ist auch so gut passiert, dass ich eine Woche später zum Lokaltermin bei den beiden angetreten bin.
Wer sich mit der Maschinengattung CJ 750 ein wenig auseinander gesetzt hat, weiß, dass die Großmutter irgendwann mal eine Bayerin gewesen war. Sie nannte sich, um 1938, R71 und ist über russische Umwege in den 1950er Jahren ins Reich der Mitte gelangt. Viel geändert wurde an dem Baukonzept nicht. Zu dem ursprünglichen Seitenventilmotor gesellte sich irgendwann ein OHV- Motor und die Spannung gab`s dann auch mit 12V und elektrischen Anlasser. Optisch war sie aber noch fast wie im Geburtsjahr belassen worden. Und da der Homo Sapiens ein Augenmensch ist, hat es mir dieser Haufen Chinastahl direkt angetan. Nachdem mich der Verkäufer darüber aufgeklärt hatte, was ich im Vorfeld zu tun hatte- sogenannte „Do`s and Don`ts“-, die man aus Erfahrung unbedingt einhalten sollte, damit das Projekt keine ewige Baustelle wird, konnte ich mich bei einer Probefahrt auf einem abgesperrten Areal vom Zustand der Maschine überzeugen.
Ja, es war ein Gespann und fuhr. Ja, es war komplett. Und Ja, alles andere musste erst mal durch meine Hände und die meines Kumpels Burkhard gehen.
Es waren nach Aussage von Bart alle erforderlichen Schriftdokumente zu der Maschine vorhanden und darum stand auch einer problemlosen Anmeldung in unserem schönen Land nichts im Wege- (hab ich damals noch gedacht!).
Es war ja auch nicht die erste Maschine, die nach Deutschland verkauft wurde. Nach kurzer Preisverhandlung war ich Eigentümer einer neuen, alten Chang Jiang M1M Baujahr 1963- und ich war glücklich!
2 Tage später wurde das gute Stück Huckepack abgeholt und bei meinem guten „Hofelektriker“ Burkhard zur Inbetriebnahme zwischengeparkt. Er ist der Eigentümer der ersten in Deutschland zugelassenen Jialing, die ebenfalls über Motorwerk aus dem Reich der Mitte den Weg zu uns gefunden hat. Er hat mich schon bei meinen früheren Projekten immer wieder unterstützt.
Zielvorgabe, wann die Chang Jiang auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollte, war das alten Elefantentreffen Mitte Februar  2014 am Nürburgring!
Noch knapp 6 Wochen bis zum Treffen.
Wir haben uns dann an 4 Sonntagen dem Schätzchen angenommen und uns strikt an die ToDo- Liste gehalten!
Der erste Eindruck war gar nicht so schlimm wie befürchtet. Die Jungs- und Mädels aus Fernost haben die Maschine sogar mit VA- Schrauben bestückt!
Trotzdem habe ich viele Schrauben und Muttern gegen Chrom- Nickel- Stahlprodukte westlicher Bauart getauscht. Auch wurde die komplette Elektrik nachgesehen und „gepimmpt“. Stichwort Massekabel! Kann man an so einer Maschine nie genug haben. Der Vorteil bei solch einer Inbetriebnahme Prozedur ist sehr einfach erklärt- ich lerne die Maschine kennen und weiß wo was zu suchen ist, wenn sie doch mal zicken machen sollte!
Parallel zur Schrauberei habe ich Kontakt mit meiner ortsansässigen GTÜ- Prüfstelle aufgenommen. Das war aber nur ein kurzes Gastspiel, weil in unserem Land wohl der TÜV Monopolist auf Einzelabnahmen ist. Also Termin mit der nächsten TÜV- Stelle vereinbart und mit dem ganzen Schriftkram und schönen Fotos dort erschienen. Da ich nichts Illegales vorhatte (Zur Erinnerung- ich wollte nur ein Gespann in Deutschland erstmalig zulassen!), bin ich dort ganz entspannt aufgeschlagen und hatte auch ein gutes Gespräch mit dem diensthabenden TÜV- Ingenieur geführt. Die Unterlagen bestanden aus einem Kaufvertrag, den original Einfuhrdokumenten in chinesischer Schrift und der passenden Übersetzung in englischer Sprache. Alles schön mit Stempel und Unterschriften abgezeichnet.
Ein sogenanntes „Certificate of Conformity“ kurz CoC -Papier gab es dafür nicht.

Ab da begann meine Geld und Zeit-Odyssee – der lange Marsch zur Zulassung!
Noch 14 Tage bis zum Treffen.
Nachdem sich der Herr Ingenieur die Dokumente angesehen hatte, meinte er zu mir, dass in Zeiten von 3D- Druckern und Farbkopieren so rein kopiertechnisch alles möglich ist und er nicht sagen könnte, ob es sich um Originalpapiere oder eine selbstgebastelte Bescheinigung handelt. Meine Stimmung war in dem Moment nicht mehr so entspannt. Ich fragte ihn, wie wir denn weiter verfahren können. Seine Antwort war, dass er sich bei der nächst höheren Stelle absichern muss, damit im Falle eines Falles er nicht haftbar gemacht werden kann (dies sollte ich nochmal an anderer Stelle hören!- Stichwort „Schwarzer Peter“). Wir besprachen auch, dass die Maschine aus Militärbeständen stammt und darum keine Papiere wie etwa einen Fahrzeugbrief besitzt. Des Weiteren war die Rahmennummer nachträglich eingeschlagen worden, bevor sie China verlassen hatte.
Er entspannte die Situation aber auch ein wenig, indem er mir sagte, wenn die Maschine technisch OK ist und den deutschen Zulassungsbestimmen entspräche, es kein Problem sein wird, sie durch die technische Untersuchung zu bekommen. Leichtes Aufatmen!

Was musste also noch gemacht werden? Blinker. Seit dem 01.01.1962 müssen in Deutschland Zwei- bzw. Dreiräder mit Fahrtrichtungsanzeigern oder einfach Blinkern ausgerüstet sein. Und meine ist von Baujahr 63. Blinkrelais und Leitungen waren an meiner Maschine schon vorbereitet gewesen. Des Weiteren entsprach der Scheinwerferreflektor nicht den EU- Bestimmungen und musste getauscht werden. Und zum guten Schluss die Reifen. Obwohl nagelneu und mit 3.75 x 19“ den Maßen entsprechend, sind die Chinapneus bei der erstmaligen Einzelabnahme nicht zulässig, da sie keine EU- Abnahme haben. Der Prüfer sagte mir aber auch, ich soll mir die Teile ruhig weglegen, denn wenn in 2 oder 4 Jahren die HU ansteht, interessiert es keinen mehr wo die Reifen herkommen, da ist dann die Reifengröße wieder entscheidend. Muss man nicht diskutieren oder verstehen- nur wundern!
Bezüglich der Papiere wollte mich der Herr Ingenieur dann anrufen- also warten auf seinen Anruf…..
Noch 13 Tage bis zum Treffen.
Hab dann die technischen Maßnahmen am nächsten Tag eingeleitet. Reflektor, Blinker kein Problem. Versucht Reifen in 3.75 x 19“ mit EU- Zulassung zu bekommen. Nach Aussage des Reifenhändlers gibt es nur einen tschechischen Reifenhersteller der Marke „Mitas“ in der Größe. Den hab ich dann bestellt und montiert. Das Problem bei der CJ750 ist, das der Platz zwischen der Kardanwelle und dem Reifen sehr knapp bemessen ist und z.B. ein 4.00 x 19“ Pneu schleifen könnte.
Als ich nach 4 Tagen noch keine Info vom TÜV hatte, habe ich mir die Freiheit genommen mal dort anzurufen.
Noch 9 Tage bis zum Treffen.
Was soll ich sagen, der gute Mann hatte gerade im Moment das abschließende Gespräch mit seinem Vorgesetzten und meinte telefonisch zu mir, dass sie die Papiere akzeptieren und ich die Maschine – wenn ich wollte- vorführen könnte. Und wie ich wollte!
Da es sich um eine Komplettabnahme handelte, sollte ich die Maschine abends bringen und am nächsten Tag nachmittags abholen. Ich hatte also keine Möglichkeit bei der Untersuchung dabei zu sein- das schmerzte schon ein wenig.
Tags drauf bin ich dann ab der Mittagszeit wie ein Tiger im Käfig um das Telefon gerannt. Gegen 15.00 Uhr hab ich es nicht mehr ausgehalten und angerufen. “Ja“, sagte der freundliche Prüfer „im Prinzip sind wir durch, wir suchen noch die Rahmennummer“. Ich teilte ihm mit, wo er sie finden kann. Worauf er meinte, die wäre doch nachträglich eingeschlagen worden- aber hatten wir das nicht beim Vorgespräch besprochen??? Ich bekam dann auch noch mitgeteilt, dass es ganz gut wäre, wenn ich mal persönlich vorbeikomme, es gäbe da noch einiges zu besprechen- wieder war dieses ungute Gefühl präsent.
Die Mängelliste war eine ganze Seite voll. Ich gebe zu, dass es Mängel gab, die berechtigt waren oder die ich einfach übersehen hatte, es waren aber auch Dinge aufgeführt, die mir wieder klar machten, in welchem Land ich lebe und auch eine Prüfstelle Geld verdienen muss. Nach kurzem Überschlagen und Zahlung von mehr als 200€ konnte ich die Beseitigungsdauer der Mängel auf ca. 4 Stunden eingrenzen und wäre eigentlich gerne tags drauf zur Wiedervorführung angetreten.
Zu meinem Erstaunen teilte mir der Prüfer mit, das nur Er die Wiederholungsprüfung machen kann und erst in der kommenden Woche zur gleichen Zeit wieder vor Ort wäre! Also wieder eine Woche -abzüglich der 4 Stunden- verstreichen lassen.
Noch 2 Tage bis zum Treffen.
Die Abnahme bei der erneuten Prüfung hätte ich mir schon beim ersten Mal gewünscht. Mit der Bemerkung des Prüfers, dass er eigentlich mit Gespannen nichts anfangen kann und deshalb die Probefahrt entfällt, ging es im Schnellrundgang um die Maschine, die nach gut 2 Minuten für gut befunden wurde und den Prüfersegen hatte. Erleichterung machte sich breit. Eine gewisse Genugtuung konnte ich mir dann aber nicht verkneifen, als dem guten Prüfer der Rechner abgestürzt ist und er alle Daten nochmal erneut von Hand eingeben musste- und das waren einige!  
50€ später hielt ich den TÜV- Bericht mit Sondereintragung in den Händen, welcher belegte, dass eine Diebstahlsicherung- sprich Lenkradschloss- an meiner Maschine entfällt!
Der Weg zum zuständigen Straßenverkehrsamt war frei und es waren noch immer 2 Tage bis zum Treffen! Die EVB- Versicherungsnummer -früher Doppelkarte- hatte ich schon in der Tasche. Bei der Zulassungsstelle angekommen, wurde ich am Empfang freundlich gefragt, ob ich alle Unterlagen dabei hätte, um das Fahrzeug zuzulassen.
Nach meiner Meinung eigentlich schon- sogar an die SEPA-Nummer für Finanzamt hatte ich gedacht! Außer dem Fahrzeugbrief, den ich ja hier erst beantragen wollte, sollte eigentlich alles da sein. Die nette Dame sichtete darauf hin meine Unterlagen und meinte nach 5 Minuten, sie müsse mal den Kollegen fragen. Sie verschwand in einem Nachbarbüro. Eine gute viertel Stunde später kam sie wieder und sagte mir, dass ich mich bitte bei dem Kollegen melden soll, die Unterlagen hatte sie schon da gelassen. Also auf, zur nächsten Instanz. Dort angekommen empfing mich eine nicht mehr ganz so freundliche Dame, die darauf hinwies, dass der Kollege gleich wiederkommt und ich solange vor der Tür warten soll. Mach ich doch glatt. Und dann kam ER! Es steht mir eigentlich nicht zu einen Menschen nach seinem äußeren zu beurteilen- nur so viel, wenn ich das Wort unsympathisch in Bilder fassen sollte, würde ich ein Foto von ihm machen.
„Was wollen Sie?“ war die herzliche Begrüßung. Wir waren uns direkt sympathisch. Ich schilderte also nochmal mein Anliegen, während er die Unterlagen von vorne nach hinten und umgekehrt durchblätterte. Zwischendurch kam immer wieder die Frage wo denn die Abmeldebescheinigung aus China oder der Fahrzeugbrief wäre. Ich blieb trotzdem die ganze Zeit ruhig und freundlich. Ich habe immer gedacht, dass das Fach Englisch seit Ende des 2. Weltkrieges Pflicht an deutschen Schulen ist. Wäre er auch in den Genuss gekommen, dann hätte er sich den Sauerstoff für die Fragen sparen können.
Ich wurde dann nochmal auf die Wartebank geschickt, weil der Abteilungsleiter persönlich hinzugezogen wurde. Meine Hoffnung war, dass er in Englisch unterrichtet wurde. Ich konnte die Situation von meinem Platz aus gut beobachten und sah den Chef immer wieder kopfschüttelnd über den Schreibtisch gebeugt. Nach einer gefühlten Ewigkeit deutete mein neuer Freund mit einer kurzen Wink Bewegung der rechten Hand an, dass er jetzt wieder ganz für mich da ist!
Er hat mir dann klar gemacht, dass es mit diesen Dokumenten beim hiesigen Straßenverkehrsamt so keine Zulassung geben wird. Da war wieder dieses Gefühl, wie damals im 7. Schuljahr als ich zum zweiten Mal meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte.
Es gäbe aber 3 Möglichkeiten eine Zulassung zu erlangen (ich war gespannt wie eine Flitzebogen!)
Möglichkeit 1: Ich erbringe eine originale Abmeldebescheinigung für das Fahrzeug mit Brief.
Möglichkeit 2: Ich bekomme ein Dokument der chinesischen Armee, welches bescheinigt, dass dies Fahrzeug dort ausgemustert wurde und in den freien Verkauf zur zivilen Nutzung freigegeben ist.- was in der englischen Übersetzung eigentlich der Fall ist!
Oder Möglichkeit 3: (auf die war ich jetzt echt neugierig)
Ich schließe bei einem zugelassenen Notar eine Eidesstaatliche Versicherung ab, die besagt, dass für dieses Fahrzeug keinerlei Abmeldepapiere vorhanden sind und falls doch irgendwann oder irgendwo in der Welt mal welche auftauchen sollten, ich persönlich dafür haften muss, mit all den Konsequenzen, die daraus resultieren, damit -so wörtlich der „schwarze Peter“ bei mir liegt und nicht bei der Zulassungsstelle. Im Übrigen meinte mein Freund, dass es eine Sondereintragung wegen dem Lenkradschloss geben wird und die nochmal mit ca. 140€ extra zu Buche schlägt. Punkt.
Noch 1,5 Tage bis zum Treffen.
Mein Hals war so dick, ich wusste nicht wie ich durch die Tür gekommen bin. Zu Hause hab ich direkt einen Notar meines Vertrauens gegooglet und angerufen. Da war dann wieder eine sehr nette Dame am Telefon, die mir tatsächlich kurzfristig einen Termin gemacht hat, nachdem ich ihr den Fall geschildert hatte. Preislich richtet sich solch eine eidesstattliche Versicherung nach dem Wert über die jeweilige Sache. Ich war mit ca.70€ inklusive Trinkgeld für die Kaffeekasse dabei.
1 Tag bis zum Treffen.
Vom Notar aus, der mir dann im Vollbesitz meiner Kräfte alles vorgelesen hatte, durfte ich eine sehr schöne Urkunde entgegennehmen. Mit dieser in der Tasche, bin ich direkt wieder zur Zulassungsstelle gefahren. Diesmal brauchte ich auch nicht mehr zu meinem Freund, sondern durfte direkt zum Zulassungsschalter! 20 Minuten und gut 150€ später war es vollbracht. Ein neues Kennzeichen, welches auch nochmal mit 17€ zu Buche geschlagen hatte, strahlte mich an und wollte endlich angeschraubt werden!
Noch 18 Stunden bis zum Treffen.
Erste Amtshandlung zu Hause war, die Aluplatte mit den begehrten Siegeln dranschrauben! Danach beladen und Probefahrt mit Pitstopp an der Tanke. Erste freundlich blickende Gesichter und einmal Daumen hoch am Straßenrand wahrgenommen! Moped läuft wie Sau, wenn man das bei knapp 24 Pferdchen so sagen darf.
0 Tage  bis zum Treffen!!!
Abfahrt mit eigenem Chang Jiang 750 Gespann Baujahr 1963.
Als ich bei strahlendem Sonnenschein und knapp 2°C freitagsmorgens losfuhr, waren plötzlich die ganzen Anstrengungen und der Ärger vergessen. Ich saß auf meiner Chinesin und fuhr in die Eifel. Der Weg war das Ziel und außer einer durchgebrannten Glühlampe am Rücklicht und einem Nagel im Hinterreifen (Shit Happens) hat mich meine neue Begleiterin nicht enttäuscht. Die Berge der Eifel hat sie gut genommen und zum Stehen bin ich dank der „Anhalte Hilfe“, (das Wort Bremse wäre geprahlt) auch immer gekommen.

Das waren aufregende Tage- und Wochen über meine Begegnung mit dem deutschen Amtsschimmel.
Ich habe aber auch schon einige technische Erfahrungen gesammelt, die ich nicht vorenthalten möchte.
Da die Maschine bis auf den Rahmen komplett mit „neuen“ Teilen bestückt und zusammengebaut wurde, befinde ich mich im Moment noch in der Einfahr- und Bewährungsphase. Ich kann aber nach knapp 600 Km ein kurzes Fazit ziehen.
Thema Öl: Ich habe direkt eine große Ölwanne mit erworben, drunter geschraubt und  Magnetablassschrauben verwendet. Sowohl für Motor, Getriebe und Kardan. Bei den ersten Ölwechseln konnte man es sehen, wo der Abrieb jetzt vielleicht wäre, wenn sie nicht am Magneten gehangen hätten!- und es wird weniger!
Thema Elektrik: Die Maschine besteht zu knapp 99% aus Stahl. Trotzdem tut man gut daran alle Teile mit Massekabeln zu „vernetzen“ und die Anschlüsse mit Kabelschuhen zu versehen. Die verbauten Leitungen sind gut und können mit westlichem Standard durchaus mithalten. Ich kann bei diesem Thema nur für meine Maschine sprechen. Ich weiß nicht wie das aussieht, wenn sich jemand selber um den Import eines solchen Fahrzeuges bemüht.
Thema Reifen: Bei der erstmaligen Zulassung musste ich die Chinagummis runterschmeißen. Die Mitas-Reifen kleben auf der Straße wie Gummi und hatten Gripp ohne Ende. Der Hinterreifen war aber nach 500Km! zum Slick mutiert und fertig. Ich hab dann überlegt woran das liegen könnte (falsche Einstellung Beiwagen?, falscher Druck?, etc.). Auf der Motorradmesse in Dortmund hab ich mit einem Vertreter der Firma Heidenau gesprochen. Er meinte, dass es sein könne, dass der Reifen von der Größe zwar passt, aber nicht für den Gespann- Betrieb und das Gewicht (Tragzahl) geeignet ist. Habe dann im Internet herausgefunden, dass dieser Reifen in Tschechien sehr beliebt beim Sandspeedway- Fahren ist und für leichte Solomotorräder gebacken wird.
Da ich die Chinapneus vorsorglich nicht entsorgt habe, werde ich die jetzt reaktivieren.
Thema Hilfe bekommen: Marjoleen und Bart Sanders leben die Philosophie vom Fahren dieser urigen Gespanne. Das Wissen was sie haben, ist riesig! Die beiden geben, ihr Wissen gerne eins zu eins an Interessierte wieder.
Natürlich gibt es auch einschlägige Internetportale zum Wissensaustausch, die bestimmt nicht schlecht sind. Man muss sich nur im Klaren darüber sein, dass es dort auch vorkommt, dass man schnell vom eigentlichen ernsten Problem abschweift.
Thema Ersatzteile: Problemlos! Mir wurde berichtet, dass es sich bei der CJ um eines der meistgebauten Motorräder überhaupt handelt. Unsere Freunde in Fernost haben den Markt und das Interesse in der Welt für diese Maschinen entdeckt und  verkaufen Weltweit. Die „Hardware“ sieht mitunter etwas grobschlächtig aus. Ist aber mit einfachen Mitteln und ein wenig Liebe hinzubekommen.
Thema Lack und Korrosion: Ja, es ist Lack drauf. Wer sich aber dazu entscheidet länger von der Maschine zu haben, wird sich über kurz oder lang überlegen eine Farbdusche zu spendieren und Hohlräume mit Unterbodenschutz aus dem Baumarkt zu versiegeln.

Fazit: Mal abgesehen von dem Kaufpreis musste ich nochmal ca. 1200€ berappen, damit ich Deutschlands Straßen offiziell befahren durfte. Vielleicht kommt man in anderen Landkreisen günstiger weg.
Stellt sich die Frage lohnt sich das? Da verweise ich auf die ersten Sätze dieses Artikels. Somit kann sich das jeder selber beantworten.  


Fahrerfahrung nach einem Jahr und gut 4000KM

Habe das letzte EGT in Luxemburg und alte Elefantentreffen 2015 am Nürburgring gut überstanden! Die Einfahrphase von angegebenen 4000KM ist abgeschlossen und ich kann nun über einige Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Chinakracher berichten.
Grundsätzlich kann ich mit Begeisterung sagen, dass mich der Stahlhaufen nie im Stich gelassen hat! Ein Hingucker ist so eine Maschine immer! Egal ob du tankst oder durch eine Ortschafft tuckerst- die Menschen schenken dir häufig ein Lächeln oder „Daumen hoch“. Mir ist sogar schon passiert, dass Leute extra anhalten und ein Gespräch mit dir suchen!
Auch Folgekosten in Form von Reparaturen oder Ersatzteilen sind keine aufgelaufen! – wenn ich da an meine erstes Projekt die Inlands- Dnepr denke- Oh jeh…….
Die Dinge, die ich investiert habe, waren auf kurz oder lang auch schon eingeplant gewesen. So habe ich im Frühjahr 2014 alle Radlager gegen welche westlichen Standards getauscht. Das ist sogar meiner lieben Frau im Beiwagen aufgefallen, dass die Fuhre viel ruhiger und stabiler durch die Lande fährt!
Thema „Anhaltehilfen“- Ich bin auf einer amerikanischen Internetseite auf ein Bild gestoßen, dass die CJ mit einer Scheibenbremse gezeigt hat. Wenn es sich bei meinem Moped um eine originale BMW R71 gehandelt hätte, würde sich die Frage einer solchen Umbaumaßnahme gar nicht stellen. In meinem Fall aber war das für mich kein Problem und nach einer kurzen Mail- Korrespondenz, hab ich mir für faire 250€ den Bausatz bestellt. Eigentlich als „Plug & Play“- Bausatz gedacht, habe ich aber, bezüglich der Mechanik, noch einen kleinen Umbau vorgenommen um die Bremswirkung zu erhöhen. Was soll ich sagen?- es funktioniert sehr gut und gibt ein gutes Gefühl, wenn du anhalten willst, wenn du es willst und nicht wenn die „Anhaltehilfe“ Lust dazu hat. TÜV hab ich noch nicht, aber werde ich hinbekommen.
Nachdem die Mitas-Reifen schnell runterradiert waren, hab ich die Chinapneus wieder montiert. Sie halten länger und sind bei trockener Witterung auch in Ordnung. Auf der Rückfahrt durch die belgischen Ardennen vom Eurogespanntreffen 2014, sah die Sache anders aus. Bei Regen und nasser Fahrbahn passte der Slogan „Fährst du quer, siehst du mehr!“ auf die Reifen, wie die Faust auf`s Auge. Vor dem diesjährigen Elefantentreffen bin ich dann einfach mal das Risiko eingegangen und habe mir einen 4.00 x 19“ von Heidenau aufgezogen. Erst mal einen um zu testen, ob das mit dem Kardan passt. Und es hat gepasst- kein Schleifen! Nach einer Probefahrt im Schnee wurde der Reifen für gut befunden und die anderen Beiden auch noch getauscht. Mit den Teilen macht das Fahren jetzt bei jedem Wetter Laune! Auch hier muss ich noch zum freundlichen TÜV- Ingenieur- aber auch das bekomme ich hin.
Zur Wartung kann ich sagen, dass es sich in Grenzen hält. Regelmäßig Schrauben und Muttern kontrollieren, Ventile und Öle nachschauen und ab und an die Fettpresse auf die Schmiernippel gedrückt –fertig. Da diese Tätigkeit für mich keine Arbeit ist, sondern etwas Entspannendes hat, kann ich sagen, dass mir der Zweiventiler kaum Arbeit macht.
In der Einfahrphase habe ich die Wartungsintervalle auch schön nach Vorschrift eingehalten. Der Abrieb im Motor, Getriebe und Endantrieb ist wirklich sehr gering und wird immer weniger! Eine defekte Kickstarterwelle wurde gegen eine qualitativ hochwertigere als Garantiefall getauscht.
Apropos Kickstarter. Die Maschine lässt sich besonders bei tiefen Temperaturen sehr gut starten. Spätestens nach 3x Kicken blubbert sie los. Wenn sie warm ist, muss man wissen wie sie so tickt.
Dadurch, dass der Zweiventiler sehr heiß wird und die Vergaser direkt angeflanscht sind, verdampft der Sprit relativ schnell in den Vergasern. Ich habe aber gelernt, wie man mit Luftklappe und Tupfer am Vergaser „kommunizieren“ muss um auch dieses kleine Manko in den Griff zu bekommen.
Fazit bis zum heutigen Tag. Wenn man den Behördenstress um die Anmeldung mal weg lässt und man den Geruch von Öl nicht als so unangenehm empfindet, ist so eine Maschine genau das Richtige um in unseren schnelllebigen Zeit zu entschleunigen.
Einfache, ehrliche Technik und Begegnungen mit Menschen, die zu 99,9% der Fälle positiv und freundlich ausfallen, sprechen doch für sich!
Fahr mal an einem schönen Sonntagnachmittag mit einer CJ 750 oder mit einem 150PS- Flieger über einen Feldweg mit Hundebesitzern oder Spaziergängern- Rate mal, wer das Lächeln bekommt……..:-

 

Danke Lars, für diesen Bericht! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

776247